Geschichte Deutschlands
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Dieser Artikel gibt einen groben Uberblick uber die Geschichte Deutschlands in Grundzugen von ihren Anfangen bis in die Gegenwart. Ihre Einzelepochen werden in einzelnen Hauptartikeln ausfuhrlicher dargestellt.
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1 Die Entstehung Deutschlands
2 Mittelalter
2.1 Fruhmittelalter: Der Zerfall des Karolingerreichs 3 Neuzeit
3.1 Reformation und Gegenreformation 4 20. Jahrhundert
4.1 Weimarer Republik (1918–1933) 5 Weitere eigenstandige Beitrage
5.1 Teilaspekte deutscher Geschichte 6 Siehe auch
7 Literatur
7.1 Quellensammlungen 7.2.1 Knappe Ubersichtsdarstellungen 8 Weblinks
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Die Entstehung Deutschlands
Seit wann man von 'Deutschland' sprechen kann, ist kaum objektiv feststellbar. Weder ethnisch noch sprachlich noch territorial lasst sich die Bildung einer eigenstandigen deutschen Nation eindeutig datieren.
Das heutige deutsche Gebiet wurde schon vor der Antike von verschiedenen Volksgruppen und Stammen wie den Germanen oder Sachsen besiedelt. Diese mischten sich jahrhundertelang mit durchziehenden Volkern, zum Beispiel
- den Kelten, die Europas Kultur in weiten Landstrichen bis zur Spatantike pragten,
- den Romern, deren Truppen den Suden und Westen Germaniens entlang der Donau und des Rheins bis etwa ins 4. Jahrhundert besetzten,
- den Hunnen aus dem asiatischen Raum,
- den Ostgoten und Westgoten wahrend der Volkerwanderung.
Erst das Frankenreich Karls des Grossen einte das Gebiet des kontinentalen Zentraleuropa zwischen Atlantik, Ostsee und Alpensudrand. Nach Karls Tod wurde es 843 im Vertrag von Verdun unter seinen Enkeln dreigeteilt. Aus dem westfrankischen Reich ging spater Frankreich hervor, aus dem ostfrankischen in etwa das heutige Deutschland, wahrend das Mittelreich, das spatere Burgund, spater zwischen den Machten des Mittelalters zerrieben wurde.
Das ostfrankische Reich war noch nicht 'deutsch', schuf aber zumindest den geografischen Rahmen fur das spatere Deutschland. Erst in der spaten Ottonenzeit taucht die Bezeichnung regnum teutonicum (lateinisch fur 'deutsches Reich') auf. Eine einheitliche deutsche Sprache kannte auch dieses noch nicht. Vom Zerfall des Karolingerreichs bis in das Hochmittelalter kann man allenfalls von einer Ubergangsphase bei der Bildung 'Deutschlands', sprechen.
Mittelalter
Fruhmittelalter: Der Zerfall des Karolingerreichs
Mit seiner Teilung 843 begann der Zerfall des des Frankenreichs. Der Sohn Karls des Grossen, Ludwig der Fromme, konnte dessen Einheit noch wahren. Als Nachfolger bestimmte er seinen altesten Sohn Lothar I. Dieser bekam das Mittelreich und die Kaiserwurde, Karl der Kahle den Westteil und Ludwig der Deutsche den Ostteil. 880 wurde das Mittelreich dann unter Karl und Ludwig aufgeteilt. Der ostfrankische Konig Karl der Dicke konnte das Frankische Reich nochmals kurze Zeit vereinigen. Mit Ludwig dem Kind starb 911 der letzte ostfrankische Karolinger.
Die Zeit der Ottonen
Um ihre eigene Macht nicht zu gefahrden, wahlten die Stammesherzoge den vermeintlich schwachen Frankenherzog Konrad I. zu ihrem Konig. Ihm folgte der Sachsenherzog Heinrich I. aus dem Geschlecht der Liudolfinger oder Ottonen nach. Heinrich I. verteidigte das Reich gegen Einfalle von Ungarn und Slawen. Neben dem frankische Erbe trat nun immer mehr eine eigene deutsche Identitat hervor. Zum Nachfolger bestimmte Heinrich I. seinen Sohn Otto I.. Dieser stutzte sich zur Sicherung seiner Macht auf die Kirche (Reichskirchensystem). 955 besiegte Otto die Ungarn in der Schlacht auf dem Lechfeld. 950 wurde Bohmen unterworfen, 963 musste Polen die Vorherrschaft des Deutschen Reiches anerkennen. Otto erweiterte sein Herrschaftsgebiet um Teile Italiens. Nach der Heirat mit Adelheid von Burgund nannte er sich Konig der Langobarden. 962 erreichte Otto die Kaiserkronung. In Suditalien geriet er in Konflikt mit dem byzantinischen Kaiser. Sein Sohn Otto II. heiratete schliesslich die Kaisernichte Theophanu, Suditalien verblieb jedoch bei Byzanz. Otto II. erlitt 983 gegen die Araber eine vernichtende Niederlage. Die Gebiete ostlich der Elbe gingen grosstenteils wieder verloren. Ottos Sohn Otto III scheiterte mit dem Versuch, die Machtbasis nach Rom zu verlegen. Der letzte Ottonenkonig Heinrich II. konnte sich gegen Polen und Ungarn nicht behaupten. Unter ihm wurde aber das Reichskirchensystem weiter ausgebaut.
Hochmittelalter: Die salischen Kaiser
1024 wahlten die deutschen Fursten den Salier Konrad II. zum Konig. Er erwarb 1032 das Konigreich Burgund. Sein Nachfolger Heinrich III. setzte auf der Synode von Sutri drei rivalisierende Papste ab, ernannte den Reformer Klemens II. zum Papst und liess sich von ihm zum Kaiser kronen 1046. Kurz darauf erliess er ein Verbot der Simonie. Wahrend der Regierungszeit Heinrichs IV. eskalierte der sogenannte Investiturstreit, in dem die Kirchenreformer dem Kaiser Simonie vorwarfen. Heinrich erklarte Papst Gregor VII. fur abgesetzt. Nun bannte der Papst den Konig. Um den Kirchenbann zu losen, unternahm Heinrich IV. den Gang nach Canossa. 1084 setzte er Papst Gregor wiederum ab und ab liess sich in Rom von Klemens III. zum Kaiser kronen. Sein Sohn Heinrich V. verbundete sich schliesslich mit den Fursten gegen ihn und setzte ihn ab. Unter Heinrich V. kam es 1122 im Wormser Konkordat zum Ausgleich mit der Kirche. Nach Heinrichs Tod wahlten die Fursten Lothar III. von Supplinburg zum Konig. Durch die Unterstutzung der machtigen Welfen fur Lothar gegen den Staufer Friedrich wurde ein das ganze 12. Jahrhundert andauernder Streit zwischen Welfen und Staufern begrundet.
Die Staufer
Nach dem Tod Lothars 1138 wurde der Staufer Konrad III. Konig. Dieser erkannte dem Welfen Heinrich dem Stolzen seine Herzogtumer ab. Konrads Nachfolger Friedrich I. versuchte den Ausgleich, indem er den Welfen Heinrich den Lowen 1156 mit den Herzogtumern Sachsen und Bayern belehnte. thumb|left|Hildegard von BingenHildegard von Bingen wusste geschickt Machtkonstellationen fur die Grundung von Klostern einzusetzen und korrespondierte mit der damals bekannten Welt. Im Vertrag von Konstanz 1153 erreichte Friedrich die Kaiserkronung. Er besiegte die nach mehr Selbstandigkeit strebenden lombardischen Stadte. Als Alexander III. Papst wurde, begann der Kampf zwischen Kaiser und Papst erneut. Nach der Niederlage bei Legnano musste Friedrich Alexander als Papst anerkennen. 1180 entzog Friedrich Heinrich dem Lowen, der seine Italienpolitik nicht mehr unterstutzte, dessen Herzogtumer. Ab 1187 ubernahm Friedrich I. die Fuhrung der Kreuzfahrer. 1190 starb er in Syrien. Friedrichs Sohn Heinrich VI. wurde dank der Heirat mit der normannischen Prinzessin Konstanze 1194 Konig von Sizilien. Als Heinrich VI. 1197 starb, kam es zu einer Doppelwahl des Staufers Philipp von Schwaben und des Welfen Otto IV.. Nach der Ermordung Philipps 1208 wurde Otto IV. Konig. Der Papst unterstutzte aber den Staufer Friedrich II. 1214 brachte die Schlacht bei Bouvines die Entscheidung fur Friedrich. Dieser regierte sein Reich von seiner Heimat Sizilien aus. Die Regierung in Deutschland uberliess er seinem Sohn Heinrich. 1235 setzte statt Heinrich dessen Bruder Konrad IV. ein. 1220 wurde Friedrich zum Kaiser gekront. Es kam zum Machtkampf mit Papst Gregor IX., der den Kaiser 1227 bannte. Dennoch erreichte Friedrich im Heiligen Land die Ubergabe Jerusalems. Der Konflikt setzte sich auch fort, als Innozenz IV. Gregors Nachfolge antrat. Innozenz erklarte den Kaiser gar 1245 fur abgesetzt. Friedrich II. starb im Dezember 1250. Nach seinem Tod tobte der Kampf des Papstes gegen die Staufer weiter. 1268 wurde der letzte Staufer, der sechzehnjahrige Konradin, in Neapel offentlich hingerichtet.
Spatmittelalter: Das Interregnum und die Pest
Nach Aussterben der Staufer verfiel die Konigsmacht im Spatmittelalter immer mehr. Der Konig stutzte sich nur mehr auf ein geringes Reichsgut und musste versuchen, seine Hausmacht zu erweitern. Die Landesfursten wahlten daher meist einen schwachen Kandidaten zum Konig. Das Interregnum wurde 1273 durch Rudolf von Habsburg beendet. Rudolf ebnete dem Haus Habsburg den Weg zu einer der machtigsten Dynastien im Reich, doch gelang es ihm nicht, die Kaiserkrone zu erlangen. Seine beiden Nachfolger, Adolf von Nassau und Albrecht I., standen im Konflikt mit den Kurfursten. 1308 wurde der Luxemburger Heinrich VII. zum Konig gewahlt. Dieser konnte 1310 seine Hausmacht um Bohmen erweitern und erlangte 1312 die Kaiserkronung. Im 14. Jahrhundert fuhrten Uberbevolkerung, Missernten und Naturkatastrophen zu Hungersnoten. 1349/50 starb ein Drittel der Bevolkerung an der Pest.
Die Zeit Ludwig des Bayern und Karl IV.
thumb|right|250px|Die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. Nach dem Tod Heinrichs setzte sich der Wittelsbacher Ludwig der Bayer durch. Eine von den Luxemburgern gefuhrte Opposition gegen Ludwig formierte sich. 1346 wurde der Luxemburger Karl IV. zum Konig gewahlt. Ludwig starb bald darauf. Karl IV. verlegte seinen Herrschaftsschwerpunkt nach Bohmen. Er gewann unter anderem die Mark Brandenburg zu seinem Hausmachtkomplex hinzu. 1348 wurde in Prag die erste deutschsprachige Universitat gegrundet. 1355 wurde Karl zum Kaiser gekront. Die Goldene Bulle von 1356 stellte bis zum Ende des Heiligen Romischen Reichs eine Art Grundgesetz dar. Ihr Hauptziel war die Verhinderung von Gegenkonigen und Thronkampfen. Karl glaubte, damit die Machtstellung des Hauses Luxemburg zementiert zu haben.
Habsburg, Luxemburg und Wittelsbach im Kampf um die Macht
Unter dem Nachfolger Karls verfiel die Konigsmacht endgultig. Konig Sigismund erreichte zwar 1433 die Kaiserkronung, war jedoch nicht in der Lage, das Konigtum zu stabilisieren. Eine Reichsreform scheiterte. Durch die Einberufung des Konzils von Konstanz konnte er allerdings das Abendlandische Schisma beenden. Mit dem Tod Sigismunds erlosch das Haus Luxemburg in mannlicher Linie. Die Habsburger traten die Nachfolge an. Der Habsburger Maximilian I. war wegen der Turkenkriege auf die Unterstutzung der Reichsstande angewiesen. 1495 wurde auf dem Wormser Reichstag eine Reichsreform beschlossen. Maximilian nahm 1508 ohne papstliche Kronung den Kaisertitel an. Seine Heiratspolitik sicherte den Habsburgern Bohmen und Ungarn und die spanische Krone. Es war eine Zeitenwende. Habsburg stieg unter Karl V. zur Weltmacht auf, das Mittelalter ging zu Ende.
Neuzeit
Reformation und Gegenreformation
[[Bild:Martin Luther 2.jpg|thumb|right|]] Mit der Publikation seiner 95 Thesen gegen den Ablasshandel durch Martin Luther setzte 1517 die Reformation ein.
1519 wurde der Habsburger Karl V. Konig. Aussenpolitisch war er in standige Kriege zur Abwehr der Osmanen sowie gegen Frankreich und den Papst verwickelt. Dadurch war seine Stellung im Reich selbst schwach und er konnte die Ausbreitung der Reformation nicht verhindern.
In den Jahren 1522 bis 1526 wurde in etlichen Landern und Stadten des Reichs die Lehre Luthers eingefuhrt. Die Reformation wurde somit vom Landesherrn durchgefuhrt, der auch zum Landesbischof wurde. Der Bruder des Kaisers, Ferdinand, wollte die Duldung der Lutheraner aufheben. Dagegen protestierten die evangelischen Landesfursten (Protestanten).
Die schlechte Lage der Bauern hatte schon im 15. Jahrhundert zu regionalen Aufstanden der Bauern gefuhrt, wahrend der Reformationszeit kam es 1524–26 zu einem Bauernkrieg. 1525 wurde ein Bauernheer unter Fuhrung von Thomas Munzer bei Frankenhausen vernichtet.
Im Schmalkaldischen Krieg von 1546/47 kam es erstmals zum Kampf der Katholiken unter Fuhrung des Kaisers gegen die Protestanten. Der Kaiser gewann den Krieg, konnte aber das Augsburger Interim nicht durchsetzen.
Als sich die Fursten uber die Religionsgrenzen hinweg gegen ihn erhoben, verzichtete Karl V. zugunsten seines Sohnes Philipp II. auf Spanien und machte seinen Bruder Ferdinand zu seinem Nachfolger im Reich. Der neue Konig handelte 1555 den Augsburger Religionsfrieden aus.
Unter dem Eindruck der Reformation begann die katholische Kirche eine innere Reform. Zudem setzte die Gegenreformation ein. Diese bestand zum einen in der Verfolgung durch die Inquisition, zum anderen entstanden neue Orden, von denen die Jesuiten eine fuhrende Rolle bei der Rekatholisierung erlangten.
Die protestantischen Fursten schlossen sich 1608 unter Fuhrung Friedrichs von der Pfalz zur Union zusammen. Entsprechend schlossen sich die katholischen Fursten 1609 unter Fuhrung des Bayernherzogs Maximilian zur Liga zusammen.
Der Dreissigjahrige Krieg
Nachdem Kaiser Rudolf II. die Regierungsgeschafte an seinen Bruder Matthias abgetreten hatte, schrankt dieser die den Protestanten gewahrten Rechte wieder ein. 1618 kame es deshalb zum Prager Fenstersturz, bei dem zwei kaiserliche Rate von bohmischen Standesvertretern in der Prager Burg zum Fenster hinausgeworfen wurden.
Nach dem Tod des Kaisers wurde der Fuhrer der Union, Friedrich von der Pfalz, 1619 zum Konig von Bohmen erklart. Der neue Kaiser Ferdinand II. zog mit dem Heer der katholischen Liga nach Bohmen. In der Schlacht am Weissen Berge 1620 wurde das bohmische Heer besiegt. Nach der Flucht Friedrichs besetzte Tilly die Pfalz und die Oberpfalz. Der Bayernherzog bekam die Pfalzer Kurfurstenwurde.
Der Danenkonig Christian IV. ruckte 1625 mit seinem Heer in Norddeutschland ein. Er wurde aber vom kaiserlichen Heer unter Tilly und dem bohmischen Adligen Wallenstein besiegt. Pommern, Jutland und Mecklenburg wurden vom katholischen Heer besetzt.
Nach dem Ende des danischen Krieges erliess der Kaiser 1629 das Restitutionsedikt. Besorgt wegen seiner erheblich gestiegenen Machtfulle erreichten die Reichsstande auf dem Regensburger Kurfurstentag 1630 die Absetzung seines Feldherrn Wallenstein.
Nun griff der Schwedenkonig Gustav II. Adolf ins Kriegsgeschehen ein. Bei Rain am Lech fiel 1632 Tilly. Der Kaiser setzte daraufhin Wallenstein wieder ein. Bei der Schlacht von Lutzen 1632 fiel der Schwedenkonig.
Wallenstein wurde 1634 erneut abgesetzt und bald darauf ermordet. Um die Schweden vom deutschen Boden zu vertreiben, schloss der Kaiser mit dem protestantischen sachsischen Kurfursten einen Sonderfrieden, den Frieden von Prag, 1635.
Das katholische Frankreich griff 1635 auf schwedischer Seite ein, jedoch konnte keine der beiden Seiten den Krieg fur sich entscheiden. Grosse Teile des Reiches wurden verwustet. Der Vorkriegstand der Bevolkerung wurde erst wieder um 1750 erreicht. Die seit 1642 laufenden Verhandlungen fuhrten am 24. Oktober 1648 zum Westfalischen Frieden.
Der Friedensschluss beinhaltete eine Abtretung von Teilen Lothringens und des Elsass' an Frankreich. Die Niederlande und die Schweiz schieden offiziell aus dem Reich aus. Die Stellung der Reichsstande und der Territorien wurde gestarkt und der Augsburger Religionsfriede bestatigt. Bei einem Konfessionswechsel des Landesherrn wurde nicht mehr von der Bevolkerung dasselbe verlangt.
Absolutismus
[[Bild:Friedrich_Wilhelm.jpg|thumb|right|Friedrich Wilhelm Der grosse Kurfurst brachte Neuerungen aus den Niederlanden nach Preussen und fundamentierte den Aufstieg.]] Die Zerstorungen und Bevolkerungsverluste des Dreissigjahrigen Kriegs forderten die Entwicklung staatlich gelenkter Wirtschafts- und Sozialpolitik. Verbunden mit der merkantilistischen Wirtschaftsform war das Entstehen der absolutistischen Herrschaftsform nach Vorbild Ludwigs XIV.
Unter Friedrich Wilhelm begann seit 1640 der Aufstieg Preussens. Der Kurfurst Friedrich III. nannte sich 1701 Friedrich I., Konig in Preussen. Der Aufstieg Preussens fuhrte zum Dualismus zwischen Osterreich und Preussen, der Deutschland bis 1871 bestimmte.
Unter dem Habsburger Kaiser Leopold I. war das Reich der zweifachen Bedrohung durch die Osmanen und den Expansionsdrang Frankreichs unter Ludwig XIV. ausgesetzt. 1683 konnte der Kaiser mit Unterstutzung der deutschen Fursten und des Polenkonigs Jan Sobieski die Turken vor Wien schlagen und aus Ungarn vertreiben.
Durch die Wahl des sachsischen Kurfursten Friedrich August I. 1697 zum Konig von Polen kam es bis 1763 zu einer Personalunion von Sachsen und Polen. Ebenso gab es von 1714 bis 1837 eine Personalunion von Hannover und England. Das Aussterben der spanischen Habsburger loste 1701 den Spanischen Erbfolgekrieg aus. [[Bild:Gottfried Wilhelm von Leibniz.jpg|thumb|left|Gottfried Wilhelm von Leibniz: Universalgelehrter und Gegenspieler Newtons]] Das Aussterben der osterreichischen Habsburger im Mannesstamm fuhrte 1740 zum Osterreichischen Erbfolgekrieg. Maria Theresia konnte die Kaiserkrone mit britischer Hilfe verteidigen. Sie verlor aber im Siebenjahrigen Krieg 1763 Schlesien an Preussen.
Schweden verlor durch den Nordischen Krieg gegen Russland und Sachsen 1721 fast alle Besitzungen auf deutschem Boden. Durch die drei Teilungen Polens konnten Osterreich und Preussen erhebliche Gebietsgewinne verzeichnen.
Die Aufklarung hielt Einzug in Preussen unter Friedrich II. und in Osterreich unter Joseph II.. Sie fuhrte jedoch nicht zu Reformen, die die feudalen Machtverhaltnisse erschutterten.
Auftakt zur Nation: Die antinapoleonischen Befreiungskriege (1789 bis 1815)
In Folge der Franzosischen Revolution kam es 1791 zum Bundnis von Preussen und Osterreich gegen Frankreich. Nach anfanglichen Erfolgen geriet die Koalition nach der Niederlage von Valmy im September 1792 in die Defensive. Es folgten bis 1809 noch vier weitere Koalitionskriege gegen Frankreich.
1799 ubernahm Napoleon I. in Frankreich die Macht. Osterreich musste die Osterreichischen Niederlande abtreten. Die linksrheinischen Gebiete kamen nach dem Frieden von Luneville 1801 ebenfalls zu Frankreich. Als Kompensation fur die Gebietsverluste erhielten die deutschen Fursten rechtrheinische Gebiete. Diese wurden 1803 im so genannten Reichsdeputationshauptschluss geschaffen. Ausserdem erhob Napoleon Bayern, Sachsen und Wurttemberg zu Konigreichen.
1805 unterlag Osterreich in der Dreikaiserschlacht bei Austerlitz. Es musste seine oberitalienischen Gebiete an das Konigreich Italien und Vorarlberg und Tirol an Bayern abtreten. Als sich 1806 16 deutsche Furstenhauser zum Rheinbund zusammenschlossen, legte Kaiser Franz II. die Kaiserkrone nieder. Dies bedeutete das Ende des Heiligen Romischen Reiches Deutscher Nation.
[[Bild:Friedrich_Wilhelm_III._(Preussen).jpg|thumb|right|Friedrich Wilhelm III. liess seinem ersten Minister vom Stein nicht immer freie Hand bei dessen Reformen]]
Am 16. Oktober 1806 kam es zur Niederlage Preussens in der Schlacht bei Jena und Auerstedt. Napoleons Truppen ruckten in Berlin ein. Im Frieden von Tilsit 1807 verlor Preussen die Halfte seines Staatsgebietes und blieb nur auf russische Intervention als Staat erhalten. Eine Erhebung in Tirol durch Andreas Hofer wurde durch Napoleon niedergeschlagen.
In Preussen kam es zwischen 1807 und 1813 zu einer Reformbewegung unter vom Stein und Hardenberg. Das Heer wurde durch Scharnhorst und Gneisenau reformiert und das Bildungswesen durch Wilhelm von Humboldt.
Nach der Niederlage Napoleons im Russlandfeldzug 1812 kam es in Preussen zu Aufstanden. Als der preussische General Yorck von Wartenburg im Dezember 1812 eigenmachtig einen Waffenstillstand mit Russland vereinbarte, verbundeten sich der preussische Konig auf Druck der Bevolkerung mit dem Zaren gegen Frankreich.
Nach dem Beitritt Grossbritanniens, Schwedens und Osterreichs zum Bundnis wurde Frankreich in der Volkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 entscheidend geschlagen. Die Rheinbundstaaten wechselten auf die Seite des neuen Bundnisses. Die Befreiungskriege gegen Napoleon fuhrten in Deutschland zu einem neuen Nationalbewusstsein.
Im Fruhjahr 1814 zogen die verbundeten Truppen in Paris ein. Napoleon wurde zur Abdankung gezwungen. Als er 1815 erneut in Frankreich die Macht an sich riss, besiegten ihn die Alliierten in der Schlacht bei Waterloo am 18. Juni 1815 endgultig.
Deutscher Bund: Das Zeitalter der Restauration
[[Bild:Metternich.jpg|thumb|right|Der Kongress tanzt: auf dem Wiener Kongress restaurierte Furst von Metternich alte Regime von Gottes Gnaden]] Auf dem Wiener Kongress kam es unter der Leitung Metternichs zur Neuordnung Europas. Ziel des Wiener Kongresses war die dauerhafte Sicherung des Friedens durch Schaffung eines neuen Gleichgewichts zwischen den Grossmachten, aber auch die Restauration des alten politischen Systems. In der Heiligen Allianz vereinbarten Osterreich, Preussen und Russland, alle revolutionaren und nationalstaatlichen Bewegungen zu bekampfen.
Preussen erhielt das Rheinland, Westfalen und den nordlichen Teil Sachsens, Osterreich verzichtete auf die osterreichischen Niederlande und bekam dafur Venetien, die Lombardei und Gebiete auf dem Balkan. Frankreich konnte das Elsass behalten. Weiter wurde der Deutsche Bund ins Leben gerufen, dem 39 souverane Fursten, darunter auch die Konige Grossbritanniens, Danemarks und der Niederlande, angehorten.
Beschlussorgan des Deutschen Bundes war der Bundestag, der unter osterreichischem Vorsitz in Frankfurt am Main tagte. Die Wunsche der Bevolkerung nach Schaffung eines einheitlichen deutschen Nationalstaates wurden von den Fursten nicht berucksichtigt.
Nach der Ermordung des Schriftstellers August von Kotzebue 1819 liess Metternich in den Karlsbader Beschlussen die Burschenschaften und alle anderen politischen Vereinigungen verbieten und fuhrte eine umfassende Zensur ein. Letztlich konnte er aber nicht das weitere Erstarken der deutschen Nationalbewegung in der Zeit des so genannten Vormarz verhindern. 1817 versammelten sich zahlreiche Studenten auf dem so genannten Wartburgfest. Bestarkt durch die Julirevolution in Frankreich fand die Bewegung im Hambacher Fest vom 27. bis 30. Mai 1832 mit 30.000 Teilnehmern einen neuen Hohepunkt.
Wirtschaftlich wurde Deutschland durch den am 1. Januar 1834 gegrundeten Deutschen Zollverein geeint. Die einsetzende Industrialisierung und der Bau der ersten Eisenbahnlinien brachten einen wirtschaftlichen Aufschwung mit sich.
Die Marzrevolution von 1848
Die Februarrevolution 1848 in Frankreich fuhrte in den deutschen Staaten zur Marzrevolution. In Osterreich kam es zu Strassenkampfen. Am 13. Marz trat Metternich zuruck und floh nach Grossbritannien.
Kaiser Ferdinand erliess im April 1848 eine Verfassung und gewahrte dem Volk eine bewaffnete Burgerwehr. In Ungarn, Italien und den slawischen Gebieten kam es zu Aufstanden, die aber von den Truppen des Kaisers niedergeschlagen wurden. [[Bild:Gauss.jpg|thumb|left|Pauca sed matura: Carl Friedrich Gauss revolutionierte die Mathematik seiner Zeit]] Der preussische Konig Friedrich Wilhelm IV. gestattete auf Druck der Bevolkerung die Ausarbeitung einer Verfassung und gestand den Burgern Versammlungs- und Pressefreiheit zu. Kleinere Staaten wie Baden versuchten, Unruhen durch die Berufung liberaler und nationaler Regierungsmitglieder vorzubeugen. Dennoch wurden im weiteren Verlauf der Revolution gerade Sachsen und Baden zu Zentren radikaldemokratischer Aufstande.
Anfang Mai fanden in allen Staaten Wahlen zu einer Deutschen Nationalversammlung statt. Diese wurden jedoch nur in sechs Staaten direkt gewahlt. In allen anderen Staaten wurde ein indirektes Verfahren uber Wahlmanner angewandt.
Im Parlament waren sowohl konservative Monarchisten als auch Liberale und Republikaner vertreten. Wahrend Akademiker und das Bildungsburgertum stark vertreten waren, hatten Arbeiter und Bauern im Parlament keine Vertreter.
Am 18. Mai kam es zur Bildung einer vorlaufigen Zentralregierung unter der Leitung eines Reichsverwesers. Die Regierung wurde von den deutschen Fursten anerkannt, war wegen fehlender eigener Armee, Polizei und Beamtenschaft aber weitgehend machtlos.
Die Nationalversammlung musste nun die Grenzen eines zukunftigen deutschen Nationalstaates festlegen. Favorisiert wurde zuerst die so genannte grossdeutsche Losung. Da Osterreich aber nur unter Einschluss seines gesamten Gebietes dazu bereit war, entschied man sich fur die kleindeutsche Losung. Diese sah die Bildung eines deutschen Staates unter Ausschluss Osterreichs vor.
Am 28. Marz 1849 wurde die sogenannte Paulskirchenverfassung verabschiedet, die einen Bundesstaat mit zentraler Regierung unter Leitung eines erblichen Kaisertums und einem Reichtag als Legislative vorsah. Die Verfassung bildete eine Grundlage fur die Weimarer Verfassung und das Grundgesetz. Weiter wurde ein allgemeines Wahlrecht vereinbart.
Nachdem der preussische Konig Friedrich Wilhelm IV. am 2. April die Kaiserkrone ablehnte, zogen die meisten deutschen Staaten ihre Abgeordneten aus Frankfurt zuruck. Aufstande in Dresden, der Pfalz und Baden zur Erzwingung der Verfassung wurde niedergeschlagen.
Eine Minderheit der Abgeordneten widersetzte sich einer Abberufung und tagte in Stuttgart weiter. Die letzten Revolutionare ergaben sich am 23. Juli in Rastatt. Die Verfassung konnte somit nie in Kraft treten. Zahlreiche in der Folge politisch Verfolgte wanderten vor allem nach Amerika aus.
Zeit der Reaktion und Einigungskriege
In der Folge wurden wahrend der Revolution gemachte Zugestandnisse ruckgangig gemacht. In Osterreich errichtete Schwarzenberg ein neoabsolutistisches Regime. Andererseits blieben einige Errungenschaften wie die Verfassungen und die Gewerbefreiheit erhalten.
1850 wurde der Deutsche Bund wiedergegrundet. Nach der Zulassung von politischen Zusammenschlussen 1860 entstanden in Deutschland neue Parteien und Gewerkschaften. 1863 grundete Ferdinand Lassalle den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein, der schliesslich in der bis heute bestehende Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) aufging.
[[Bild:Otto_von_Bismarck.jpg|thumb|right|Equilibrist der Macht innen und aussen: ]]
1859 begann der Preussische Verfassungskonflikt, der 1862 zur Ernennung von Otto von Bismarck zum preussischen Ministerprasidenten und zu einer Starkung des Konigs gegenuber dem Parlament fuhrte.
1864 kam es zum Krieg Preussens und Osterreichs gegen Danemark. Ausloser war die Annexion Schleswigs durch Danemark. Mit Zustimmung der europaischen Grossmachte eroberten beide deutsche Staaten die Herzogtumer Holstein und Schleswig zuruck.
Den 1866 folgenden Deutsch-Osterreichischen Krieg gegen Osterreich konnte Preussen durch seinen Sieg bei Koniggratz fur sich entscheiden. Es annektierte Hannover, Nassau, Kurhessen, Schleswig-Holstein und die Frankfurt.
Henry-Bethel-Strousberg.jpg
Daruber hinaus wurde der Norddeutsche Bund unter Fuhrung Preussens gegrundet. Damit schied Osterreich aus Deutschland aus. Die Unabhangigkeit Bayerns, Wurttembergs und Badens wurde auf Drangen Frankreichs anerkannt.
Im Anschluss kam es zu Spannungen zwischen Frankreich und Preussen. Anlass fur den deutsch-franzosischen Krieg von 1870/71 war die Kandidatur Leopolds von Hohenzollern auf den spanischen Konigsthron. Bismarck provozierte mit der sogenannten Emser Depesche den Krieg.
Nach der Kriegserklarung durch Frankreich konnte Preussen alle deutschen Staaten und die ubrigen europaischen Grossmachte auf seine Seite ziehen. Das Frankreich Napoleons III. wurde durch den Sieg bei Sedan zur Kapitulation gezwungen. In Paris bildete sich daraufhin eine republikanische Regierung, die aber die Forderungen Preussens ablehnte.
Der Krieg wurde daraufhin fortgesetzt und endete erst 1871 mit der Kapitulation Frankreichs. Im Frieden von Frankfurt am Main wurde Frankreich zur Abtretung Elsass-Lothringens und zur Zahlung einer Kriegsentschadigung verpflichtet.
Durch das Zugestandnis der Reservatrechte konnte Bismarck die suddeutschen Staaten zum Beitritt zum Norddeutschen Bund bewegen. Die Grundung des dadurch entstandenen Deutschen Reiches wurde am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal von Versailles vollzogen. Der preussische Konig erhielt den Titel eines Deutschen Kaisers.
Das Deutsche Kaiserreich
Die Reichsverfassung von 1871 betonte das monarchische Element. Damit war aber die Zukunft Deutschlands entscheidend vom Geschick seiner Kaiser abhangig. Preussen verfugte uber zwei Drittel der Landflache und Bevolkerung und damit uber ein Vetorecht bei Verfassungsanderungen im Bundesrat.
Bismarck verfolgte eine Politik wechselnder Bundnispartner. Im Rahmen des Kulturkampfs von 1871 bis 1886 verbundete Bismarck sich mit den Liberalen. Wenngleich einige Massnahmen nach Beendigung des Kulturkampfs wieder zuruckgenommen wurden, blieb zum Beispiel die Einfuhrung der Zivilehe und die staatliche Aufsicht uber das Schulwesen erhalten.
[[Bild:Wilhelm_I_Friedrich_Ludwig.jpg|thumb|right|Der ehemalige Kartatschenprinz wurde nur widerwillig Kaiser aller Deutschen: Kaiser Wilhelm I.]]
Der nachste Gegner Bismarcks stellten die Sozialisten dar. Die Stimmung in der Offentlichkeit nach einem Attentatsversuch auf Kaiser Wilhelm I. nutzte Bismarck 1878 zur Durchsetzung der so genannten Sozialistengesetze. Diese konnten die Verbreitung sozialistischer Ideen aber nicht verhindern.
Parallel dazu versuchte Bismarck durch eine Sozialgesetzgebung einer Radikalisierung der Arbeiter entgegenzuwirken. So wurde 1883 eine Krankenversicherung, 1884 eine Unfallversicherung und 1889 eine Rentenversicherung eingefuhrt. Weitergehende Forderungen der Sozialdemokraten lehnte Bismarck aber ab.
Wirtschaftlich wurde infolge des durch die Reichsgrundung entstandenen einheitlichen Wirtschaftsraums und begunstigt durch die franzosischen Zahlungen von Kriegsentschadigung ein rasantes Wirtschaftswachstum ausgelost. Dieses mundete aber 1873 in die Wirtschaftskrise des so genannten Grunderkrachs. [[bild:Ernst_Werner_von_Siemens.jpg|left|thumb|Werner von Siemens schuf mit seinem Konkurrenten, dem Marketingfachmann und Unternehmensorganisator Emil Rathenau grosse Wirtschaftsbetriebe und mit seinen Erfindungen die Grundlage ganzer Wirtschaftszweige.]] Aussenpolitisch verfolgte Bismarck eine Politik des Gleichgewichts der Grossmachte. Durch den Aufstieg zur starksten Grossmacht auf dem Kontinent weckte Deutschland die Angste seiner Nachbarn. Um Bundnisse der ubrigen Grossmachte gegen Deutschland zu verhindern, baute Bismarck mit diplomatischem Geschick ein Bundnissystem auf, das auf eine Isolierung Frankreichs hinauslief.
Um die Angste der ubrigen Grossmachte zu dampfen, verzichtete Bismarck auch auf territoriale Erweiterungen, stellte als Konzession an den Zeitgeist jedoch 1884 die kolonialen Erwerbungen deutscher Kaufleute unter den Schutz des Reiches. Die wirtschaftliche Bedeutung dieser Kolonien blieb jedoch gering.
[[Bild:Portrat Wilhelm II.jpg|thumb|right|Den Platz an der Sonne fur Deutschland mit untauglichen Mitteln: Kaiser Wilhelm II.]]
Als 1890 Wilhelm II., der 1888 Kaiser wurde, Bismarck als Reichskanzler entliess, folgte eine Kurswende in der deutschen Aussenpolitik. Im Gegensatz zu seinem zuruckhaltenden Vorganger nahm der neue Kaiser die Aussenpolitik selbst in die Hand (personliches Regiment). Das fuhrte zunehmend zu einer Isolierung Deutschlands.
Die Innenpolitik war stark vom Strukturwandel und der sozialen Frage gepragt. Reichskanzler Caprivi verfolgte einen Kurs sozialer Reformen. Weitere politische Reformen scheiterten jedoch.
Die Ermordung des osterreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 in Sarajewo loste schliesslich den Ersten Weltkrieg aus. Im Laufe des Krieges verschlechterte sich die Versorgungslage zusehends. Als im Oktober 1918 noch einmal die Flotte gegen die Royal Navy auslaufen sollte, meuterten die Matrosen.
Der Matrosenaufstand breitete sich innerhalb weniger Tage uber ganz Deutschland aus und wurde zur Novemberrevolution. Am 9. November verkundete Reichskanzler Max von Baden die Abdankung des Kaisers. Wilhelm II. beugte sich dieser Entscheidung und ging ins Exil. Max von Baden ubergab die Regierungsgewalt an Friedrich Ebert. Am Nachmittag rief der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann die Republik aus.
20. Jahrhundert
Weimarer Republik (1918–1933)
Am 10. November 1918 bildete sich mit dem Rat der Volksbeauftragten eine provisorische Regierung. Am 11. November wurden durch einen Waffenstillstand die Kampfhandlungen eingestellt. Am 16. Dezember 1918 fand in Berlin der sogenannte Ratekongress statt.
Zahlreiche Reformen traten in Kraft, das Frauenwahlrecht und der 8-Stunden-Tag wurden eingefuhrt. Der Spartakusaufstand im Januar 1919 wurde von Freikorps niedergeschlagen. Die kommunistischen Anfuhrer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wurden dabei getotet.
Am 19. Januar wurde die Nationalversammlung gewahlt. Sie trat nicht im unruhigen Berlin, sondern in Weimar zusammen. Die Nationalversammlung wahlte Friedrich Ebert zum Reichsprasidenten und Philipp Scheidemann zum Reichskanzler. Nach der Weimarer Verfassung war das Deutsche Reich eine parlamentarische Demokratie. Sie sah allerdings einen starken Reichsprasidenten als Ersatzkaiser vor und konnte durch eine qualifizierte Mehrheit vollstandig geandert werden.
Am 28. Juni musste Deutschland im Versailler Vertrag zahlreiche Gebiete abtreten sowie seine Kolonien dem Volkerbund unterstellen. Die Vereinigung Deutschlands mit Osterreich wurde untersagt. Deutschland und seinen Verbundeten wurde die alleinige Kriegsschuld gegeben und es wurden Reparationsforderungen gestellt. Das Saarland war dem Volkerbund unterstellt und das Rheinland entmilitarisierte Zone. Ausserdem gab es massive Beschrankungen fur die deutsche Armee.
Das Ausbleiben von demokratischen Reformen in Militar, Justiz und Verwaltung, der als Schanddiktat empfundene Versailler Vertrag und die Dolchstosslegende waren ein schweres Erbe fur den neuen deutschen Staat, der einer Republik ohne Republikaner war. [[Bild:Otto Hahn und Lise Meitner.jpg|thumb|left|Lise Meitner und Otto Hahn schufen mit ihrer Forschung Theorie und Werkzeug fur die erste Kernspaltung in Berlin]] 1920 kam zum Kapp-Putsch und zu mehreren politischen Morden. Bei den Reichtagswahlen gab es grosse Stimmengewinne fur extreme Parteien. 1921 wurde die Reichswehr geschaffen und 1922 begannen Deutschland und die Sowjetunion diplomatische Beziehungen im Vertrag von Rapallo.
Im Januar 1923 besetzten franzosische Truppen das Ruhrgebiet, um ausstehende Reparationsforderungen einzutreiben. Die Reichsregierung unterstutzte den ausbrechenden Ruhrkampf. In den folgenden Monaten kam es zu einer galoppierenden Inflation, die erst im November durch eine Wahrungsreform beendet wurde.
Bayern wurde zum Sammelbecken rechter, konservativer Krafte. In diesen Klima vollzog sich der Hitler-Putsch. Adolf Hitler wurde zwar festgenommen und verurteilt, aber bereits nach wenigen Monaten wieder freigelassen.
Sieben-Machte-Konferenz-London-1931-jpg.gif
1924 begannen eine Phase der relativen Stabilitat. Trotz aller Konflikte schien die Demokratie zu siegen. Die Neuordnung der Wahrung und die im Gefolge des Dawes-Plans gewahrten Kredite leiteten die goldenen 20er Jahre ein.
Im Februar 1925 starb Friedrich Ebert, als Nachfolger wurde Paul von Hindenburg gewahlt.
Der deutsche Aussenminister Gustav Stresemann versuchte gemeinsam mit Aristide Briand eine Annaherung an Frankreich und eine Revision der Versailler Vertrags, was sich im Locarnovertrag 1925 und der Aufnahme Deutschlands in den Volkerbund 1926 zeigte.
Der Ausbruch der Weltwirtschaftskrise 1929 leitete den Anfang vom Ende der Weimarer Republik ein. Im Sommer 1932 erreicht die Arbeitslosenzahl die Hohe von 6 Millionen. Ab 1930 konnte Deutschland nur noch mit Prasidialkabinetten regiert werden.
Es kam zu einer Radikalisierung der politischen Lage und zu Strassenschlachten zwischen der NSDAP und der KPD. 1931 schlossen sich rechte Krafte in der Harzburger Front zusammen, die NSDAP wurde bei den Reichtstagswahlen vom 31. Juli 1932 starkste Kraft. Am 28. Januar 1933 erklarte der Reichskanzler Kurt von Schleicher seinen Rucktritt.
Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945)
[[Bild:Sachsenhausen gr.jpg|thumb|]]
Am 30. Januar 1933 ernannte Reichsprasident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler: Dies markierte das Ende der Weimarer Republik und den Beginn der Diktatur des Nationalsozialismus, der eine Variante des Faschismus war. Hindenburg loste den Reichstag auf und setzte Neuwahlen an. Nach dem Reichstagsbrand am 28. Februar 1933 schrankte eine Notverordnung von Reichsprasident Hindenburg die Grundrechte ein. Die KPD wurde verboten und viele ihre Mitglieder verhaftet. Das so genannte Ermachtigungsgesetz gab der Regierung dazu uneingeschrankte Gesetzgebungsbefugnisse. Danach wurden innerhalb kurzer Zeit auch die restlichen demokratischen Parteien verboten, wenn sie sich nicht selber auflosten. Die ersten Konzentrationslager zur Inhaftierung politischer NS-Gegner, vor allem von Kommunisten und Sozialdemokraten, entstanden.
In den folgenden Monaten wurden die bisherigen Lander gleichgeschaltet, ebenso die Presse und die Gewerkschaften. Im April begann der Boykott judischer Geschafte und die Entfernung judischer Beamter aus dem Staatsdienst. Im Juni/Juli wurden die evangelischen Landeskirchen in einer Reichskirche unter Leitung eines Reichsbischofs zusammengeschlossen. Vor allem die Deutschen Christen progagierten ein 'judenreines' Evangelium und waren dem 'Fuhrer' ergeben. Dagegen bildete sich im September ein Pfarrernotbund, aus dem im Juni 1934 die Bekennende Kirche hervorging. In ihr sammelten sich evangelische Christen, die Ubergriffe des Staates auf die Kirche, meist aber nicht den Nationalsozialismus also solchen ablehnten. Mit dem Vatikan schloss Deutschland ein Konkordat, das die Stellung der katholischen Bischofe in Deutschland sicherte.
1934 wurde die Justiz gleichgeschaltet. Durch politische Morde nach dem angeblichen Rohm-Putsch - so wird der Vorganger im Amt als Reichskanzler Kurt von Schleicher mit seiner Frau ermordet - erstickte Hitler auch jede mogliche Opposition auch innerhalb der NSDAP und entmachtete die SA zugunsten der Wehrmacht. Er liess sich ausserdem nach Hindenburgs Tod am 2. August zum 'Fuhrer', Reichskanzler und obersten Befehlshaber ernennen. Die Reichswehr wurde nun auf ihn personlich vereidigt. Auch das Berufsbeamtentum musste einen 'Fuhrereid' ablegen, so dass regimekritische Akademiker ihre Amter verloren. [[Bild:Noether.jpg|thumb|left|Brain Drain mit Gewalt: fuhrende Vertreter der Wissenschaften wie Emmy Noether werden vertrieben]] In der folgenden Zeit wurde das gesamte gesellschaftliche Leben von NS-Organisationen wie Hitlerjugend, Deutsche Arbeitsfront und KdF durchdrungen. Massnahmen wie der Autobahnausbau und ein massives Aufrustungsprogramm beseitigten die Arbeitslosigkeit, dienten aber im Wesentlichen der Kriegsvorbereitung.
1935 wurde das Saarland wieder ins deutsche Reich integriert. Auf dem Reichsparteitag wurden die Nurnberger Rassengesetze beschlossen, die die Ausgrenzung und Isolierung der Juden begrundeten.
1936 marschierte die Reichswehr in das entmilitarisierte Rheinland ein und brach damit den Versailler Vertrag. Im August fanden in Berlin die Olympischen Spiele statt, die Hitler als Propagandabuhne fur die Weltoffentlichkeit nutzte. Ein Vierjahresplan von 1936 sollte Deutschland bis spatestens 1940 kriegsbereit machen. Das Regime unterstutzte ab 1936 zusammen mit Mussolinis Italien auch militarisch den faschistischen General Franco im Spanischen Burgerkrieg gegen die dortige Republik. Die Legion Condor der deutschen Luftwaffe zerstorte 1937 bei einem Flachenbombardement die baskische Stadt Guernica. Fur Hitler bot der spanische Burgerkrieg die Gelegenheit, die Einsatzfahigkeit seines Militars im Kriegsfall zu testen.
1938 erzwang Hitler im Munchner Abkommen den Anschluss Osterreichs und des Sudetenlandes an Deutschland. Daraufhin schloss Stalin mit Hitler einen geheimen Nichtangriffspakt. Am 9. November inszenierten die Nazis die Reichspogromnacht und legten in zahlreichen Synagogen Feuer. Als Zivilpersonen getarnte SA- und SS-Angehorige misshandelten und ermordeten viele Juden unter den Augen der Polizei, die meist stillhielt.
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Im Marz 1939 marschierten Hitlers Truppen auch in die so genannte Resttschechei und das Memelland ein. Ihr Uberfall auf Polen am 1. September 1939 loste dann den Zweiten Weltkrieg aus. Am 3. September erklarten zunachst Grossbritannien und Frankreich Deutschland den Krieg. Nach dem Sieg der Wehrmacht uber Polen wurde dessen Westteil zum deutschen Generalgouvernement erklart, wahrend die Rote Armee fast kampflos auch den Ostteil des Landes besetzte. So teilten Hitler und Stalin Polen infolge ihres Paktes untereinander auf.
Nur wenige Monate nach Beginn des Krieges, am 8. November 1939 verubte der Einzelkampfer Johann Georg Elser ein Bombenattentat auf Hitler wahrend einer NS-Propagandaveranstaltung im Munchner Burgerbraukeller, das aber scheiterte, weil Hitler wenige Minuten vor der Explosion sofort nach seiner Rede den Saal verliess. Elser wurde wenig spater gefasst, interniert und kurz vor Ende des Krieges im April 1945 im KZ Dachau ermordet.
Im so genannten 'Blitzkrieg' folgten schnelle deutsche Besetzungen von Danemark, Norwegen, den Beneluxstaaten und Frankreich 1940. Hitlers Popularitat in der deutschen Bevolkerungsmehrheit war auf ihrem Hohepunkt. Die geplante Invasion Grossbritanniens misslang jedoch, da die deutsche Luftwaffe in der Luftschlacht um England trotz massiver Bombardierung englischer Stadte nicht die Lufthoheit uber England erringen konnte.
1940/41 eroberte die Wehrmacht mit dem faschistischen Italien gemeinsam Jugoslawien und Griechenland. Beide Lander wurden unter den verbundeten Diktaturen aufgeteilt. Ihrer Eroberung folgte jedoch ein zermurbender Partisanenkrieg. Ungarn, Rumanien und Bulgarien wurden als Verbundete Deutschlands gewonnen. Mit Italien kampfte Deutschland seit Januar 1941 auch in Nordafrika.
Am 22. Juni uberfiel Deutschland die Sowjetunion. In dem als Vernichtungsfeldzug geplanten 'Unternehmen Barbarossa' drang die Wehrmacht bis vor Moskau, Leningrad und nach Stalingrad vor. Im Winter 1941/42 aber kam sie ins Stocken und musste in der Schlacht um Stalingrad ihre erste, kriegsentscheidende Niederlage hinnehmen. Dennoch erklarte Hitler am 11. Dezember 1941 auch den USA den Krieg, die Grossbritannien mit Gutern versorgten. Doch bis Ende 1943 hatte die Sowjetunion weite Gebiete zuruckerobert. Am 13. Mai 1943 mussten die Achsenmachte (Deutschland und Italien) in Nordafrika kapitulieren.
Inzwischen war der Holocaust, der von langer Hand geplante beispiellose Volkermord an den Juden, im Gang. Schon seit September 1941 mussten Juden den Judenstern tragen. Nach ihrer Entrechtung, Enteignung, Ghettoisierung und Massenerschiessungen an judischen Zivilisten in den eroberten Ostgebieten beschlossen die fuhrenden Nazis im Januar 1942 auf der Wannseekonferenz die so genannte 'Endlosung der Judenfrage'. In extra dazu errichteten Vernichtungslagern im besetzten Osten Europas wie Auschwitz, Treblinka oder Majdanek wurde die Ermordung der Juden nun industriell betrieben. Bis zum Kriegsende wurden etwa 6 Millionen Juden ermordet.
Schon vor dem Volkermord an den Juden in seiner industrialisierten Form nach der Wannseekonferenz hatten die Nationalsozialisten bei der sogenannten Aktion T4 im Rahmen ihres 'Euthanasieprogramms' der 'Vernichtung lebensunwerten Lebens' die Methode der Vergasung von grosseren Menschengruppen in den Jahren zwischen 1939 und 1941 getestet. Diesem 'Programm' waren etwa 100.000 geistig, psychisch und korperlich behinderte Menschen in mehreren deutschen Behindertenanstalten zum Opfer gefallen. Der mutige offentliche Einsatz des im Grunde konservativen katholischen Bischofs von Munster Clemens August Graf von Galen gegen die Ermordung der Behinderten hatte schliesslich zur Einstellung des NS-Euthanasieprogramms gefuhrt.
1943 begann der Bombenkrieg der Alliierten auf deutsche Stadte, durch den etwa 300.000 Zivilisten ums Leben kamen. Ab Ende 1944 flohen viele Deutsche aus den Ostgebieten vor der anruckenden Roten Armee. 1944 konnte diese weite Teile von Sudosteuropa erobern. Am 6. Juni begann die Invasion der westlichen Alliierten in der Normandie, nachdem sie schon zuvor nach der Landung auf Sizilien von Suden her Italien eroberten und gegen Deutschland im Vormarsch waren. Am 20. Juli scheiterte ein Attentat und ein Putschversuch von Wehrmachtsangehorigen und Mitgliedern der Widerstandsgruppe des 'Kreisauer Kreises' gegen Hitler.
Ende 1944 und anfang 1945 beschlossen die Alliierten die Aufteilung Deutschland nach dem Krieg. Im April erreichten die sowjetischen Truppen Berlin. Hitler totete sich am 30. April im Bunker der Reichskanzlei. Auch andere fuhrende Regierungsmitglieder wie Joseph Goebbels, Heinrich Himmler u.a. begingenSuizid. Frau Goebbels ermordete zudem ihre Kinder. Zuvor hatte Hitler noch Admiral Karl Donitz zu seinem Nachfolger ernannt. Am 9. Mai 1945 unterzeichnete dieser fur Deutschland die bedingungslose Kapitulation.
Der Zweite Weltkrieg, den Deutschland entfesselt hatte, dauerte in Sudostasien noch bis zum 12. August an. Er forderte insgesamt etwa 60 Millionen Tote.
In den letzten Kriegsmonaten und im Anschluss an die Besetzung wurden die meisten noch verbliebenen Deutschen aus Osteuropa vertrieben.
Das besetzte und befreite Deutschland von 1945 bis 1949
Die Siegermachte USA, Grossbritannien und UdSSR trafen sich im Juli/August 1945 zur Potsdamer Konferenz. Dort einigten sie sich auf die Grundsatze Demokratisierung, Denazifizierung, Demilitiarisierung, Dezentralisierung und Demontage. Deutschland wurde in vier Besatzungszonen aufgeteilt.
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Fur Deutschland wurde ein gemeinsames Verwaltungsorgan, der Alliierte Kontrollrat gebildet, Berlin bekam eine gemeinsame Stadtverwaltung. Wiederaufbau und die Bildung von Bundeslandern und Parteien begannen. Im Oktober 1945 wurden die Nurnberger Kriegsverbrecherprozesse eingeleitet. [[Bild:Andre-Francois-Poncet-1931.jpg|thumb|100px|left|franzosischer Botschafter, Hochkommissar, Botschafter mit weitreichenden Befugnissen: ]] Die Besatzungsmachte gingen in ihren Zonen eigene Wege, wobei die westlichen Machte immer mehr zusammenarbeiteten. 1947 fanden einige Versuche einer Einigung uber die Zukunft Deutschlands statt, die scheiterten. Fortan waren die Westmachte bestrebt, einen eigenen westdeutschen Staat zu grunden.
In der SBZ wurden sehr bald die Weichen fur den Sozialismus gestellt. SPD und KPD wurden zur SED vereinigt und Schlusselstellen mit Kommunisten besetzt. Mit der Deutschen Wirtschaftskommission wurde 1947 ein vorstaatliches Organ geschaffen, das bald Kompetenzen zur Steuerung der Wirtschaft erhielt.
Die britische und die US-amerikanische Zone schlossen sich Anfang 1947 zur Bizone zusammen. Im Jahr 1947 begann mit dem Marshallplan der Wiederaufbau, der Osten musste diese Hilfen auf sowjetischen Druck jedoch ablehnen. Mit dem Wirtschaftsrat wurde ebenfalls ein vorstaatliches Organ geschaffen.
Am 20. Juni 1948 fand in den Westzonen auf Betreiben der westlichen Allierten eine Wahrungsreform statt. Sie bildete die Grundlage fur das spatere Wirtschaftswunder. In der SBZ wurde im Gegenzug am eine eigene Wahrung eingefuhrt. Am 24. Juni fuhrten die Westmachte die Westmark auch in Westberlin ein, die Sowjets antworteten mit der Berliner Blockade.Die Sowjets hoben aber bereits im Mai 1949 die Blockade wieder auf. Berlin blieb aber im Mittelpunkt der Politik der Siegermachte.
Am 20. Marz 1948 verliessen die Sowjets den Alliierten Kontrollrat, im Juni kam es zur Bildung der Trizone. Am 1. Juli ubergaben die Westmachte den Ministerprasidenten der Trizone die Frankfurter Dokumente, eine Aufforderung zur Bildung einer verfassungsgebenden Versammlung. Auf der Rittersturz-Konferenz im Juli 1948 wurde die Grundung der Bundesrepublik Deutschland beschlossen.
Auf dem Verfassungskonvent auf Herrenchiemsee beriet ein Sachverstandigenausschuss fur Verfassungsfragen die Grundlage fur die Arbeit des Parlamentarischen Rates. Dieser trat am 1. September in Bonn zusammen und erstellte dort das Grundgesetz. Nachdem dieses von allen Landern ausser Bayern angenommen und von den Westmachten genehmigt wurde, wurde es am 23. Mai 1949 verkundet. Die Bundesrepublik Deutschland war gegrundet.
Ende Mai 1949 fand in der SBZ der 3. Deutsche Volkskongress statt. Die Mitglieder wahlten den 2. Deutschen Volksrat als standiges Organ. Der Volkskongress nahm die Verfassung fur eine Deutsche Demokratische Republik einstimmig an. Am 7. Oktober wurde die DDR gegrundet.
Die Bundesrepublik Deutschland (1949–1990)
thumb|Konrad Adenauer auf der Vorderseite einer 2 DM-Munze Am 14. August 1949 fanden die Wahlen zum ersten deutschen Bundestag statt, die CDU/CSU wurde starkste Fraktion. Konrad Adenauer wurde Mitte September zum Bundeskanzler, Theodor Heuss zum Bundesprasidenten gewahlt. Im November wurde das Petersberger Abkommen geschlossen. Am 16. Januar 1950 wurde die Lebensmittelrationierung abgeschafft.
Die Regierung Adenauers forcierte die Westintegration, die Wiederbewaffnung und schuf, begunstigt durch den Marshall-Plan der USA, die politischen Rahmenbedingungen fur das Wirtschaftswunder der Bundesrepublik. Sie erhob den Alleinvertretungsanspruch fur Deutschland, und brach die Beziehungen mit Landern ab, die die DDR anerkannten (vgl. Hallstein-Doktrin). Trotzdem unterzeichnete sie 1955 einen Vertrag mit der Sowjetunion, damit die letzten deutschen Kriegsgefangenen heimkehren konnten. Ebenfalls 1955 trat der Deutschlandvertrag in Kraft. Die BRD trat der NATO bei und die Bundeswehr wurde gegen den Widerstand einer aufkeimenden breiten Friedensbewegung, der 'Ohne Mich-Bewegung', gegrundet.
Die Bundesrepublik war 1952 Mitbegrunderin der Montanunion, der Vorlauferin der EG. 1951 wurde die rechtsextremistische SRP und 1956 die kommunistische KPD, die als kleine Fraktion noch bis 1953 im Bundestag vertreten gewesen war, vom Bundesverfassungsgericht Parteienverbote ausgesprochen.
1957 wurde das Saarland wieder Teil der BRD. Im Marz begrundeten die Romischen Vertragen die EWG. Im November 1959 wandte sich die SPD mit dem Godesberger Programm endgultig vom Marxismus ab. 1959 wurde Heinrich Lubke Nachfolger von Theodor Heuss als Bundesprasident.
Bis zum Bau der Berliner Mauer 1961 kamen Hunderttausende Fluchtlinge aus der DDR in die BRD. Im Zuge des Aufbaus und der Vollbeschaftigung wahrend des so genannten Wirtschaftswunders wurden zunehmend Gastarbeiter, vor allem aus Sudeuropa, angeworben.
Im Oktober 1962 musste infolge der Spiegel-Affare Verteidigungsminister Franz Josef Strauss zurucktreten. Im Januar 1963 wurde der Elysee-Vertrag zwischen der BRD und Frankreich unterzeichnet, mit dem eine grundlegende Aussohnungspolitik mit dem ehemals als historischem 'Erzfeind' Deutschlands bezeichneten Staat wurde. Am 15. Oktober trat Adenauer als Bundeskanzler zuruck.
thumb|250px|Bundeskanzler Willy Brandt und der amerikanische Prasident Richard Nixon
Nachfolger wurde der so genannte Vater des Wirtschaftswunders Ludwig Erhard. Er trat bereits Ende 1966 zuruck. Nun bildete Kurt Georg Kiesinger eine Grosse Koalition aus CDU/CSU und SPD. Diese wurde nur als Uberganglosung verstanden, jedoch erzielte sie Erfolge in der Wirtschafts-und Innenpolitik.
1968 wurden die Notstandsgesetze beschlossen. Die unzureichende Verarbeitung der NS-Vergangenheit, der Bildungsnotstand, der Protest gegen den Vietnamkrieg, die Hippiebewegung und die als veraltet empfundene Gesellschaftsordnung brachten den Widerstand der studentischen Jugend mit sich. Infolgedessen veranderten sich Alltagkultur und politisches Leben erheblich.
Im Marz 1969 wurde Gustav Heinemann Bundesprasident. Im September kam es nach der Bundestagswahl zu einem Machtwechsel. SPD und FDP bildeten die Sozialliberale Koalition unter Bundeskanzler Willy Brandt. Diese Regierung betrieb eine neue Ostpolitik der Annaherung an die Ostblockstaaten. Dies wurde anfangs heftig kritisiert, sodass die CDU 1972 sogar ein konstruktives Misstrauensvotum versuchte.
Die Innenpolitik pragten die Liberalisierung des Rechtssystems, der Ausbau des sozialen Netzes und Reformen des Bildungswesens. Im Herbst 1973 wurde auch die BRD von der Olkrise getroffen, das Wirtschaftswunder war endgultig vorbei. Am 6. Mai 1974 tat Brandt im Zuge der Guillaume-Affare zuruck.
Helmut Schmidt wurde Bundeskanzler, Walter Scheel Bundesprasident. Die Ostpolitik wurde fortgesetzt, schliesslich kam es 1975 durch die KSZE zu einem Fortschreiten der Entspannungspolitik.
Innenpolitisch musste sich der Staat mit dem Problem des Linksterrorismus der RAF auseinandersetzen. Dieser erreichte im Deutschen Herbst 1977 seinen Hohepunkt. Aber auch die wachsende Umwelt- und Friedensbewegung waren Schwerpunkte dieser Zeit (vgl. auch Neue soziale Bewegungen). 1979 wurde Karl Carstens Bundesprasident.
Aufgrund wachsender Spannungen kam es im September 1982 zum Bruch der SPD/FDP-Koalition. Am 1. Oktober 1982 wurde Helmut Kohl durch ein konstruktives Misstrauensvotum Bundeskanzler. Die neue CDU/CSU-FDP-Regierung wurde durch die Bundestagswahlen 1983 bestatigt. Die Grunen zogen bei dieser Wahl als Vertreter der Neuen sozialen Bewegungen erstmals in den Bundestag ein und erlangten parlamentarisches Gewicht, nachdem deren Anhanger als ausserparlametarische Opposition viele Jahre lang in unterschiedlichen Zusammenhangen aktiv gewesen waren (vgl. Frauenbewegung, Neue Linke, Atomkraftgegner, K-Gruppen, Friedensbewegung u.a.).
1984 wurde Richard von Weizsacker Bundesprasident. Anfang 1984 startete das Privatfernsehen in Deutschland, ebenfalls 1984 kam es zur Flick-Affare und der Frage, ob die Republik kauflich sei. 1986 erschutterte die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl Europa. Im selben Jahr wurde die Einheitliche Europaische Akte unterzeichnet, die eine erste grossere Reform der EG mit sich brachte und ein wichtiger Schritt zur EU war. Im September 1987 besuchte mit Erich Honecker erstmals ein DDR-Staats- und Parteichef die BRD.
Nach der friedlichen Revolution in der DDR und der Zustimmung der Siegermachte und beider deutscher Parlamente kam es am 3. Oktober 1990 zur Wiedervereinigung Deutschlands.
Die Deutsche Demokratische Republik (1949–1990)
Die neu geschaffene Volkskammer ernannte Wilhelm Pieck zum Staatsprasidenten und Otto Grotewohl zum Ministerprasidenten. Der eigentliche Machthaber bis 1971 war aber der Generalsekretar der SED, Walter Ulbricht. Die Hauptstadt war Ostberlin.
Im Februar 1950 wurde das Ministerium fur Staatssicherheit gegrundet. Im Juli wurde die Oder-Neisse-Linie als polnische Westgrenze vertraglich festgelegt. Am 15. Oktober fanden die ersten Volkskammerwahlen statt. Es wurde uber eine Einheitsliste gewahlt, die nach offiziellen Angaben 99,3% der Stimmen erhalt. Diese Wahlpraxis bestand bis 1989.
Am 1. Januar 1951 begann der erste Funfjahresplan. Im Fruhjahr 1952 wurde in Deutschland uber die Stalin-Note debattiert, sie wurde schliesslich vom Westen abgelehnt. Ende April die ersten Volkseigenen Betriebe (VEB) gebildet und Anfang Juni die erste LPG.
Im Mai 1953 beschloss die SED eine Erhohung der Arbeitsnormen. Es regte sich Widerstand. Das Politburo der SED ubte Selbstkritik und verkundete einen Neuen Kurs. Am 17. Juni kamm es zum Volksaufstand, der aber mit Hilfe sowjetischer Truppen blutig niedergeschlagen wurde.
Am 13. August 1961 riegelte die DDR die Grenzen zu Westberlin ab und baute die Berliner Mauer, da zwischen 1949 und 1961 etwa 3 Millionen Menschen die DDR verlassen hatten.
Anfang der der 1970er kam es zu einer Annaherung zwischen DDR und BRD, ausgelost durch Bundeskanzler Willy Brandt. Dies fuhrte zum Grundlagenvertrag 1973. Im Mai 1971 wurde Walter Ulbricht entmachtet, sein Nachfolger als Erster Sekretar der SED wurde Erich Honecker.
Die DDR und die BRD wurden 1973 Mitglied der UNO. Im Mai 1974 wurden die standigen Vertretungen der beiden deutschen Staaten in Bonn und Ostberlin errichtet. Als Abschluss der KSZE wurde am 1. August 1975 auch von der DDR und der BRD die Schlussakte von Helsinki unterzeichnet. Im November 1976 wurde der Liedermacher Wolf Biermann ausgeburgert, das fuhrte zu Protesten in der DDR.
1983 gewahrte Bayerns Ministerprasident Franz Josef Strauss der DDR einen Milliardenkredit, der ihre Stabilitat sichern sollte. Mit Michail Gorbatschow kam im Marz 1985 ein relativ junger Mann an die Spitze der Sowjetunion, der mit seinen Ideen von Glasnost und Perestroika den Ostblock total verandern sollte. Dieser Kurs wurde von der DDR nicht mitgetragen. Im September 1987 kam es zum ersten Staatsbesuch Erich Honeckers in der BRD.
Im Sommer und Herbst 1989 flohen immer mehr Burger der DDR uber Ungarn, das am 2. Mai seine Grenze zu Osterreich geoffnet hatte und ab dem 11. September auch DDR-Burgern die Ausreise nach Osterreich erlaubte sowie uber die Botschaften der BRD in ostmitteleuropaischen Staaten. Da die DDR-Fuhrung die Umgestaltungspolitik Gorbatschows nicht nachvollziehen wollte, destabilisierte die DDR zunehmend.
Die sich verschlechternde wirtschaftliche Lage und die von Honecker enttauschten Hoffnungen auf freiheitliche Veranderungen fuhrten im Rahmen der Friedensgebete der Evangelischen Kirche zu Protestdemonstrationen. Diese weiteten sich vor allem in Leipzig sehr schnell zu friedlichen Grossdemonstrationen aus.
Am 18. Oktober musste Honecker unter dem Druck der Strasse zurucktreten. Wenige Tage spater folgte ihm die gesamte DDR-Regierung. Am 9. November wurde die Berliner Mauer geoffnet. Die Montagsdemonstrationen der DDR-Bevolkerung und die Maueroffnung fuhrten schliesslich zum friedlichen Sturz des SED-Regimes.
Am 3. Oktober 1990 geschah gemass Einigungsvertrag der Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik
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